Deutschland aktuell: Jetzt dreht die Polizei durch – "Offensive Waffenhaltung" wird ausgebildet

Führerscheinkontrolle mit gezogener Pistole

Ein Polizist, der seine Waffe zieht – das kennen die meisten nur aus Fernseh-Krimis. Künftig könnte sich das aber ändern: „Was beim Friseur der Kamm ist, ist bei uns die Waffe“, sagt ein Berliner Polizeiausbilder ‚zeit.de‘. Er bringe Polizeianwärtern bei, dass sie ihre Waffe früher ziehen sollen, heißt es in dem Bericht. Das gelte nicht nur für gefährliche Situationen, sondern auch für Routine-Einsätze, wie etwa die Kontrolle von Fahrzeugpapieren.

Die Ausbildung sieht demnach vor, dass ein sichernder Beamter seine Waffe in der Hand hält und auf den Boden richtet, während der andere etwa den Führerschein kontrolliert. Das Vorgehen wird als „offensive Waffenhaltung“ bezeichnet. Es ist in der offiziellen Linie der Berliner Polizei zur „Chancenverbesserung“ von Polizisten festgehalten, so der Bericht, und wird seit 2010 auch von der Brandenburger Polizei gelehrt. Das Prinzip habe sich gar in fast allen Bundesländern durchgesetzt, so der Leiter der Schießausübung für die Berliner Polizei, Peter Vater, im ‚Tagesspiegel‘.

Klaus Boenicke, Sachgebietsleiter zentrales Einsatztraining der Polizei Berlin, relativiert: „Die Schusswaffe ist natürlich kein normales Werkzeug, sondern immer nur letztes Mittel.“ Die „offensive Waffenhaltung“ ist Boenicke zufolge nicht der offizielle Begriff – es gibt die „entschiedene Sicherungshaltung“, die seit 2004 in der für alle Bundesländer gültigen Polizeidienstvorschrift auftaucht, heißt es.

Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt zu

„Auch wenn der Einsatz der Waffe das letzte Mittel ist, kann es zur Deeskalation einer Situation beitragen“, sagt Peter Vater im ‚Tagesspiegel‘. Bewaffnete Täter, die Polizisten angreifen wollen, würde das Verhalten der Beamten etwa zum Umdenken bringen. Denn die Gewalt gegen Polizisten nimmt zu: Im vergangenen Jahr gab es 1.121 Straftaten gegen Polizeibeamte, 2012 waren es noch 1.065, so der Bericht. Die Zahlen mögen ein offensiveres Auftreten der Beamten rechtfertigen.

Dennoch war der Umgang von Polizisten mit ihren Dienstwaffen erst vergangene Woche in die Kritik geraten. Ein Mann war in Cottbus von einem Beamten angeschossen und lebensgefährlich verletzt worden, so das Blatt. Demnach war nach dem 37-Jährigen gefahndet worden. Ein Polizist stoppte das Auto des Verdächtigen mit einem Polizeifahrzeug und schoss dem Mann in den Kopf. Sein Zustand sei kritisch. Das Verhalten des Polizisten, werde nun untersucht.

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