++++EILMELDUNG – Deutschland aktuell: Leitzins-Senkung: Was bedeutet das für uns? ++++

EZB senkt Leitzins auf 0,05 Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) betritt Neuland: Im Kampf gegen Konjunkturflaute und drohende Deflation senken die Währungshüter den Leitzins von 0,15 auf 0,05 Prozent und machen damit das Geld im Euroraum so billig wie nie zuvor.

Mit dem Maßnahmenpaket reagieren die Währungshüter auf die seit Monaten sehr niedrige Inflation. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und können so die Wirtschaft ankurbeln. Das stärkt in der Regel auch den Preisauftrieb. Auch der negative Einlagenzins soll die Inflation antreiben: Er soll den Euro schwächen und so Importe verteuern. Zudem sollen Banken dazu gebracht werden, überschüssiges Geld nicht bei der EZB zu parken, sondern Verbrauchern und Unternehmen Kredite zu geben. Diese könnten investieren und so der Konjunktur auf die Sprünge helfen.

Aber inwieweit betrifft die Leitzinssenkung uns Bürger noch?

Sparkassen und Versicherer schlagen Alarm

Warum ist die Inflation trotz der Mini-Zinsen so niedrig?

Das liegt unter anderem an weltweit sinkenden Energie- und Nahrungsmittelpreisen. Dieser Effekt wird durch den relativ starken Euro noch verstärkt. Zum Teil ist der geringe Preisauftrieb aber auch hausgemacht: Die Krisenländer im Euroraum müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken, indem sie Preise senken.

Was bedeuten weitere Zinsschritte nach unten für Sparer?

Niedrige Zinsen werden in der Regel relativ schnell an Kunden weitergereicht. Da Sparer ohnehin schon lange unter Mini-Zinsen auf Sparbuch oder Tagesgeldkonto leiden, hagelt es vor allem aus Deutschland, einem Sparerland, Kritik: „Niedrigzinsen enteignen Sparer und reißen Lücken in die Altersvorsorge künftiger Rentner“, wettern Sparkassen und Volksbanken. Auch Versicherer schlagen Alarm: Denn sinkende Zinsen erschweren ihnen, die Garantieversprechen einzuhalten.

Haben Verbraucher auch Vorteile?

Weil aber Dispo- und Kreditzinssätze oft an den Leitzins gebunden sind, bekommen auch die Bürger ‚billiges‘ Geld. Das heißt, dass die Zinsen für Kredite geringer sein können. Das erhöht den Anreiz, Immobilien zu kaufen oder sich andere teure und hochwertige Produkte anzuschaffen, die in ihrem Wertbestand stabil sind. Das aber dreht an der Preisschraube und es können zum Beispiel Immobilienblasen entstehen. Das Phänomen ist derzeit schon in deutschen Ballungsräumen zu beobachten, die Preise für Wohnungen steigen exorbitant an. Zuletzt platzte eine Immobilienblase in Spanien, die Folgen sind bekannt. Die Gläubiger konnten ihre Schulden nicht mehr bezahlen, die Banken hatten massive Geldprobleme und der Staat bzw. der Rettungsschirm musste einspringen.

Was sollen Strafzinsen für Banken bezwecken?

Normalerweise bekommen Banken, die Geld bei der Zentralbank parken, einen Zins gutgeschrieben. In der Krise senkten die Währungshüter diesen Einlagenzins auf null Prozent. Drücken sie ihn nun unter null, würde die EZB den Banken de facto einen Strafzins aufbrummen, wenn diese Geld bei ihr horten. Ziel ist eine Schwächung des Euro, um so einen Anstieg der Inflationsrate zu erreichen. Banken sollen überschüssige Liquidität nicht bei der EZB parken, sondern das Geld in Form von Krediten an Verbraucher und Unternehmen weiterreichen. Diese könnten investieren und so der Konjunktur auf die Sprünge helfen. Manche Volkswirte meinen allerdings, Banken könnten die Kosten auf ihre Kunden abwälzen. Dann wäre diese EZB-Maßnahme kontraproduktiv: Kredite würden teurer.

AG (Raffi)
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